#amwriting 7 - Show don't tell - Was heißt das eigentlich?

by - November 03, 2019

show dont tell

Der NaNoWriMo läuft erst drei Tage und schon habe ich den ersten Tipp für euch parat. Vielleicht habt ihr beim Lesen der Überschrift auch schon die Augen gerollt und gedacht: Oh Gott, bitte nicht noch ein Post zu dem Thema!
Doch. Weil ich noch nichts zu dem Thema geschrieben habe und es sehr wichtig finde. Deswegen müsst ihr jetzt leider mit dem dreimilliardsten Post zu diesem Thema leben.

Ich muss dazu vorweg sagen, dass ich (noch) keinen Schreibratgeber gelesen habe, in denen diese Technik zur Standardausrüstung gehört. Ich glaube, dass diese Ratgeber sehr hilfreich sein können, wenn man so überhaupt keine Ahnung hat, wie Schreiben funktioniert. Wenn man es ganz neu lernen möchte und vorher noch nie so richtig damit in Kontakt gekommen ist, ist so ein Ratgeber sicherlich wichtig. Aber ich schreibe, seit ich weiß, wie man schreibt. Ich halte mich in aller Bescheidenheit für gut genug, um ohne einen Ratgeber zurecht zu kommen. Vielleicht habe ich aber auch noch nicht den richtigen Ratgeber gefunden, wer weiß?

Was ist denn jetzt "Show, don't tell?", willst du bestimmt wissen. Du hast ja recht.

Show, don't tell (= zeigen, nicht erzählen) bedeutet nichts anderes, als das man Kopfkino bei seinem Leser erzeugen soll. Romane leben von atmosphärisch dichten, plastischen Beschreibungen. Erzählungen sind eher sachlich und eigenen sich daher eher für Berichte als für Romane.

Wie so etwas konkret aussehen kann, zeige ich euch anhand eines Ausschnitts aus Indian Gods 1 - Ganeshas Gunst, was so ziemlich der erste und einzige Schnipsel hier auf dem Blog sein wird, den ihr zu sehen bekommt (auf Instagram sind noch ein paar ...)

William, Charlie und John hatten sich vor dem Schreibtisch ihres Vorgesetzten postiert.
Hätte ich es jetzt dabei belassen, wäre das "Tell". Sie stehen vor dem Schreibtisch ihres Chefs, fertig. Nüchtern und sachlich hingeknallt. Aber statt es dabei zu belassen, habe ich weitergemacht, und zwar so:
Blackburn hatte sich seine eigene Schreibstube einrichten lassen in der Baracke, in der sie alle schliefen. Der Schreibtisch bestand aus massivem, dunklem Eichenholz und war glänzend poliert, auch wenn John nicht umhinkam, die Kratzer zu bemerken, die sich um die vier Beine des Tisches wanden, als habe ein riesiger Hund den Tisch dazu verwendet, seine Krallen an ihm zu schärfen. Die Kratzer sahen noch neu aus, daher ging John davon aus, dass es beim Transport auf dem Schiff passiert war. 
Natürlich nehmen detailliert beschriebene Szenen mehr Raum ein als solche, die nur leblos gezeigt werden. Und man sollte keinesfalls alles beschreiben. Es gibt durchaus Stellen, die im Tell abgehandelt werden dürfen. Oder es manchmal sogar müssen. Hier ist ein Roman einem Film sehr ähnlich. Würde man die komplette Handlung eines Films minutiös zeigen (womöglich auch noch mit jeder Menge Dialog seitens der Schauspieler), wäre ein solches Werk wohl mehrere Dutzend Stunden lang und niemand würde es ansehen.
Es ist also durchaus erlaubt, Szenenübergänge, Zeitsprünge und unwichtige Sachen im tell abzuhandeln. Für alles andere bietet sich jedoch Show an.

Jedoch sollte man es mit beidem nicht übertreiben. Es gibt Menschen, die sagen: Betreibe ausschließlich "show", niemals "tell". Das ist es, was ich mit dem "Regeln brechen" meinte. Man muss keinesfalls immer alles zeigen und erklären, man kann manchmal auch einfach nur berichten. Die richtige Mischung ist hier wichtig. Etwas, woran es mir selbst vielleicht auch noch ein bisschen mangelt, denn ich selbst liebe Beschreibungen und kann gar nicht genug bekommen von Farben, Gerüchen und Geräuschen.
Wir werden sehen, wie sehr ich da selbst ausdünnen muss in meinem eigenen Manuskript ...

Fazit:
Show, don't tell ist eine wichtige Grundregel des Schreibens, die jedoch nicht immer in Stein gemeißelt sein muss.

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