Die Montagsfrage #73 - Welche Klischees haben für euch wirklich ausgedient?

by - März 09, 2020

Montagsfrage 73

Hallo ihr Lieben,
wie war eure letzte Woche? Ich musste letzte Woche noch arbeiten, habe jetzt Urlaub und am Donnerstag geht es nach Leipzig. Nicht zur Buchmesse, aber davon lasse ich mich ganz sicher nicht aufhalten. Auch nicht vom Coronavirus. Die Leute haben (zumindest hier) übrigens immer noch nicht mit den Hamsterkäufen aufgehört. Als ich vorhin einkaufen war, gab es kein Toilettenpapier und keine Tomatensauce mehr, Nudeln sah auch nicht so rosig aus und bei den Konserven habe ich vorsichtshalber gar nicht geguckt. Hätte ich mal machen sollen, denn jetzt fehlen mir die Kichererbsen für mein Taboulé. Ich habe ein kleines Experiment gewagt und gemerkt, dass 1.000 Wörter pro Tag nicht so viel sind, wie ich manchmal irgendwie zu meinen scheine. Die schaffe ich mittlerweile stressfrei in einer Pomodoro-Runde (25 Minuten) und kann mich dann anderen Dingen widmen.

Und weil diesen und letzten Monat wieder ein paar mehr Blogposts zum schreiben kamen und kommen werden, passt Antonias Frage für diese Woche da doch wunderbar rein.

Welche Klischees haben für euch wirklich ausgedient?

Ich schätze, es gibt ein Klischee, das mich schon von Anfang an daran hindert, eine ganze Genre-Sparte von Büchern zu lesen, die im Bereich New Adult bzw. Young Adult angesiedelt sind. Das typische "Mädchen kommt neu in eine fremde Stadt, weil sie vor ihrer Vergangenheit davonlaufen will, die ach so mysteriös und tragisch ist und der sie sich einfach nicht stellen kann/will, wo sie dann sofort den Bad Boy der Schule/Uni/des Arbeitsplatzes sieht und sich sofort von ihm angezogen fühlt, umso mehr, je vehementer dieser sie wegstößt, weil sie unbedingt hinter sein dunkles Geheimnis kommen möchte, aber der Bad Boy hält sie von sich fern, weil er zu gefährlich (und eigentlich ziemlich weinerlich) ist, aber am Ende überwinden sie alle Widrigkeiten und lieben einander bis zum Sanktnimmerleinstag".
Das ist einfach nicht die Art von Geschichte, die ich spannend finde. Aber ich habe generell nicht so viel mit reinen Liebesgeschichten am Hut, weil Liebe eine menschliche Emotion ist, die furchtbar ... simpel ist. Abgesehen von den Problemen, die ich vorher geschildert habe. Meist gründet der "komplizierte" Plot in solchen Büchern doch nur darauf, dass die Protagonisten nicht in der Lage sind, offen miteinander umzugehen und einfach mal Tacheles zu reden. Würden sie das tun, hätten sie vermutlich die Probleme nicht. Stattdessen eiert man umeinander herum. Nein, danke.

Zudem habe ich ein bisschen was gegen das "Damsel in Distress"-Klischee, also eine Frau, deren einziger Lebensinhalt es zu sein scheint, von einem Mann (dem starken, schillernden Helden) gerettet zu werden. Das ist noch so ein Punkt, der mir in solchen Romanen manchmal auffällt. Offenbar gibt es unter den vorwiegend weiblichen Protagonisten kaum mal eine, die selbst genug Arsch in der Hose hat, um für sich selbst und ihre Überzeugungen einzustehen. Das war vielleicht zu Zeiten von Jane Austen noch toll, aber heute? Ich bitte euch!

Des weiteren: Das Klischee vom "total normalen Protagonisten, der entdeckt, dass er gar nicht so normal ist". Findet sich vorwiegend in Fantasy-Romanen (Harry Potter, Percy Jackson, Herr der Ringe, etc., etc.) Und JA, bevor jetzt einer hektisch schreit "ABER DU MACHST DAS AUCH!"
Ja. JA! Hear me out, okay?
Ja, John Sterling ist auch so ein Protagonist, der sich für ganz gewöhnlich hält, aber dann herausfindet, dass er das eigentlich gar nicht ist. Aber seine neue special Fähigkeit befähigt ihn nicht dazu, die ganze Welt im Alleingang zu retten. Er ist nicht der Auserwählte einer uralten Prophezeiung oder der Sohn eines Gottes.
Problematisch wird dieses Klischee, wenn Charaktere von 0 auf 100 Fähigkeiten haben, die vor ihnen noch nie jemand anderes gehabt hat. Und die diese neuen Fähigkeiten dann sofort ohne Training oder ähnliches perfekt beherrschen. Ja, ich schaue hier wieder Mrs. Meyer an. Bella nach ihrer Verwandlung. Do I need to say more?

Und dann natürlich noch dieses ewige "Die Protagonistin ist eigentlich nicht übermäßig hübsch und denkt das von sich selbst auch nicht, sie ist so ziemlich das gewöhnlichste Mädchen der Schule, aber die angesagtesten Kerle fliegen natürlich sofort auf sie, weil sie sich selbst gar nicht bewusst ist, wie schön sie ist".
Was ist nur mit euch, dass eure Heldinnen so überhaupt kein Selbstbewusstsein haben, Leute?

Ach ne, Moment. Wenn sie welches hätten, müssten sie sich ja nicht vom Bad Boy retten lassen ...

Und ja, mir ist durchaus bewusst, dass das nicht in jedem YA/NA-Roman so ist. Aber wohl in der Mehrheit. Und das frustriert mich ein bisschen.

Wie seht ihr das? Gibt es Klischees, die ihr nicht leiden könnt und die für euch völlig daneben sind?

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2 Kommentare

  1. Grüße,

    auch ich liebe Klischees :D man kann sich so herrlich darüber aufregen und gleichzeitig würden wohl viele Bücher ohne sie nicht funktionieren. :D Wäre Percy gleich so auf "Hey ich bin der Sohn von Poseidon", wäre er wohl nicht so sympathisch. :D So stolpert man mit ihm in die Story aber! und das muss man dazusagen, reitet der Autor auch nicht so auf dieser Sache rum. Es ist wie der mysteriöse Bad Boy. Mit einer tollen Backstory glaube ich ihm das auch :D Wie bei Rhys bei RDSH :D

    Tintengrüße von der Ruby

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    1. Huhu Ruby,
      Stimmt, Klischees sind an und für sich ja nichts schlechtes. Sie sind quasi der Grundstock mancher Geschichten und manchmal funktioniert das auch sehr gut. Bei Percy Jackson hast du natürlich recht, die Story dreht sich nicht darum, dass er sich darauf ausruh, Sohn eines Gottes zu sein. Eigentlich ist Percy Jackson auch ein ganz gutes Beispiel für das Konzept der Heldenreise ...

      LG

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