NaNo-Prep 101: Session 1 - Entwickle einen Plot, für den du brennst

by - September 13, 2020

 

Session 1

Hallo ihr Lieben,

wie ich ja hier schon schrieb, habe ich für mich die ideale Methode gefunden, mich auf den anstehenden NaNoWriMo 2020 vorzubereiten: Das NaNo Prep 101. In den folgenden sechs Wochen wird es jeweils sonntags um 14 Uhr einen neuen Blogpost geben, der sich mit einem vorbereitenden Aspekt beschäftigt, bis wir am Ende eigentlich im NaNo selbst nur noch loslegen und unsere Geschichte herunterschreiben müssen. 
Wollt ihr mich dabei begleiten, wie ich Indian Gods 3 plane, um im NaNo anfangen zu können, daran zu schreiben?
Dann los!

NaNo Prep 101: Session 1: Entwickle einen Plot, für den du brennst

Um einen Plot zu entwickeln, kann man auf unterschiedliche Arten und Weisen vorgehen. Natürlich gibt es Menschen, die brauchen keinen Plot, um anzufangen, sondern sie setzen sich einfach hin und schauen, wohin die Geschichte sie trägt. Siehe hier auch mein Blogpost zum Thema Plotter-Typen.

Wenn ihr noch nie richtig geplottet habt, ist die erste Übung aus dem Workbook vermutlich genau richtig für euch, denn hier gucken wir mal, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt, auf einen Plot zu kommen.

1. Sich einen Plot ausleihen

Jeder hat doch Bücher, Filme oder Serien, die er mag, oder nicht? Warum also nicht einen Plot von etwas ausleihen, das man gut findet und für sich selbst anpassen?

Schreibe also zunächst die Plots von drei Büchern, Filmen und/oder Serien auf, die du selbst magst. 
Vergiss dabei auch nicht, die wichtigsten Personen, Handlungsorte und Wendungspunkte zu erwähnen.

Ich selbst mache das hier mal nicht, da das nicht der erste Plot ist, den ich entwickle und weil ich weiß, wie das ungefähr funktioniert. Für Indian Gods 3 gibt es noch keine Plotzusammenfassung/Kurzbeschreibung, aber ich weiß, was passieren muss, damit der Teil logisch an Teil 1 und 2 anknüpft und am Ende alle offenen Fragen geklärt sind.

Teil 1 liest sich (bisher) als Klappentext so:

Indien, 1857: Die indische Bevölkerung beginnt, sich gegen die britische Besatzer-Herrschaft zu wehren. John H. Sterling, Lieutnant beim 97th Regiment of Foot, wurde zwangsweise nach Indien versetzt, um die britische Armee zu unterstützen. Gleich bei seiner Ankunft wird er eindrücklich gewarnt: Vor Mataji, eine junge Inderin, von der die Dorfbewohner sagen, sie könne mit Tieren sprechen. Und vor einem Geist, der mordend durch die Dörfer im Umkreis wandern soll. Irgendetwas an Mataji zieht John magisch an, und kaum hat er zaghaft begonnen, sich in der Fremde zurechtzufinden, da nimmt das Abenteuer seinen Lauf. Zusammen mit Mataji und einer kleinen Gruppe von tierischen und menschlichen Verbündeten macht er sich auf, um einen uralten Bann zu brechen.
Gelingt es ihm, könnte er Frieden nach Indien bringen.
Gelingt es ihm nicht, könnte er etwas noch Schlimmeres auslösen als den Krieg, in dem sie sich bereits befinden …

Der Klappentext von Teil 2 geht dann so: 

Indien, 1858: Die Schlacht um Kanpur ist geschlagen und Nana Sahib spurlos verschwunden. Doch die Freude darüber währt nicht lange und der Friede ist trügerisch. Blackburn macht seine Drohung wahr und John muss seine Freunde und seine Familie zurücklassen und nach England aufbrechen, während der Krieg in Indien unverändert weiter tobt. Doch diesmal bekriegen sich nicht nur die Menschen untereinander. Denn etwas hat dafür gesorgt, dass das Gleichgewicht der Götterwelt droht, aus den Fugen zu geraten und plötzlich sind John, Mataji und die anderen gezwungen, ihre Welten am Auseinanderbrechen zu hindern …


Für Teil 3 könnte das dann so aussehen:

Indien, 1858/1859: Nana Sahibs Feldzug hat eine Schneise der Zerstörung durch halb Indien geschlagen. Ein weiteres Mal ist der Widersacher der Briten spurlos verschwunden. Die Gruppe um John hat eigentlich alle Hände voll damit zu tun, die Geschehnisse der Vergangenheit zu verarbeiten, aber die Götter haben andere Pläne. Erneut werden sie um Hilfe gebeten, diesmal von Shiva, der ihnen aufträgt, Nana Sahib zu finden und unschädlich zu machen, bevor es jemand anderes tut. Denn auch die Götter sind mittlerweile auf das Ränkespiel des Fürsten aufmerksam geworden, und nicht alle stehen ihm ablehnend gegenüber ... 

Natürlich ist das jetzt nur ein Beispiel, das ich mir mal eben schnell aus den Fingern gesogen habe und das sicher noch der einen oder anderen Überarbeitung bedarf. Aber im Grunde spiegelt diese kleine Zusammenfassung schon wider, worum es im letzten Band eigentlich gehen soll, und das reicht mir für den Anfang.

2. Leihe dir einen Charakter aus

Das soll jetzt nicht heißen, dass ihr einen Charakter aus einem Buch hernehmen und eine neue Geschichte mit ihm erzählen sollt, denn das wäre ja Fanfiktion. Aber vielleicht gibt es in eurem Umfeld eine interessante Person, die die neue Hauptfigur in eurer Geschichte werden könnte? Oder ihr habt schon ein paar Projekte geschrieben und es gibt einen Charakter, den ihr immer wieder irgendwo einbauen wollt?
So habe ich das zum Beispiel gemacht. Mein Charakter Osmond (Johns älterer Bruder) ist so eine Figur. Ich habe den Charakter schon seit Jahren in meinem Repertoire, weil ich ihn so spannend finde. Ursprünglich hatte ich ihn für das Primeval-RPG entwickelt, das ich vor einigen Jahren geleitet habe, aber als das beendet war, war der Charakter immer noch da und wurde als nächstes Teil einer Jurassic World-FF und schließlich landete er als Johns großer Bruder im Indian Gods-Projekt. Dabei sind ein paar Aspekte immer gleich geblieben, die ich jetzt ein bisschen näher beleuchten möchte. 

Wer ist diese Person, die euch so fasziniert? Wie war ihre Kindheit? Welche Träume hatte sie? Was war ihr größter Wunsch? Welche Hindernisse stellten sich ihr dabei in den Weg? Was war ihr größter Triumph?

Die Figur, aus der ich Osmond entwickelt habe, war in seiner Grundausstattung schon immer als Soldat angelegt. In allen drei Formen, in denen ich ihn bisher habe auftauchen lassen, hatte er den Rang eines Captain inne. Weil er als Kind Reitunterricht (und auch ein eigenes Pony/Pferd) hatte, hat Osmond sich entschieden, zum Kavallerie-Regiment der britischen Armee zu gehen, den 17th Lancers, die auch einen nicht unerheblichen Anteil am Krimkrieg hatten und deren offizielles Motto Tod oder Ehre ist. Ihr Abzeichen zeigt einen Totenschädel mit gekreuzten Knochen, die das Banner mit der Inschrift or Glory halten:

 
17th Lancers
Quelle: Wikipedia

Osmonds größter Wunsch war schon immer, bei der Armee möglichst weit aufzusteigen, was allerdings nach der Schlacht von Balaklava 1854 mehr oder weniger unmöglich wurde, weil die gegnerische Armee sein Regiment niedermachte und er in Gefangenschaft geriet, aus der er schließlich entkommen konnte. Dennoch gelang es ihm fast zwei Jahre lang nicht, wieder nach Hause zu gelangen. Deshalb sucht John ihn am Anfang des ersten Bandes verzweifelt. 

Da man wohl kaum aus dem ganzen Leben einer Figur eine Geschichte machen kann, muss jetzt der Teil gefunden werden, der am ehesten für eine Geschichte taugt. Welcher Teil des Lebens der Figur hat das meiste Drama, die meisten Höhen und Tiefen? Ein Moment der Gefahr und des Abenteuers, als sich alles geändert hat? Da ihr diese Person erschafft, kann es hier ruhig etwas wilder und ausgefallener vor sich gehen.

Wenn ich auch zugeben muss, dass Osmond ein derart interessanter Charakter ist, dass ich bereits den Plan habe, seiner Beteiligung am Krimkrieg ein eigenes Spin-Off zu widmen, geht es in Indian Gods nicht primär um Osmond (auch wenn sein Verschwinden und die Gründe dafür im Verlauf der Handlung immer mehr Raum einnehmen, bis das Ganze schließlich am Ende aufgelöst wird), sondern um John und darum, wie er mit dem Verschwinden seines Bruders umgeht und mit den Gründen dafür, sobald er diese kennt. Auch das ist wichtiger Teil der Handlung von Teil 3, denn Osmonds Verschwinden hatte andere Gründe, als John die ganze Zeit über dachte, und die Konsequenzen daraus betreffen nicht nur ihn, sondern auch noch eine ganze Reihe anderer Personen in seinem direkten Umfeld.

3. Lasse dich von Nachrichten inspirieren

Abgesehen von dem obligatorischen Nachrichtenmüll aus Trump-Tweets, Nazi-Demos und Corona-Beiträgen gibt es auf Nachrichtenseiten manchmal Geschichten, die sich sehr gut dazu eigenen, eine Geschichte daraus zu spinnen. Zwei davon schlummern sogar schon seit einer ganzen Weile in meinen Story-Ideen, und vielleicht kann ich eines Tages etwas daraus machen. 

"Mord aus Angst vor dem Vater - In einer Kairoer Vorstadt hat ein 16 Jahre altes Mädchen eine Sechsjährige zu Tode gewürgt, damit sie selbst ins Gefängnis kommt. Der Polizei sagte das Mädchen, sie habe keinen anderen Weg gesehen, um ihrem grausamen Vater zu entkommen, der sie gequält und erniedrigt habe. Das Leben in Haft sei sicher besser als ihr Leben im Hause des Vaters."

 

"Der Leopardenjunge, Indien, 1912: Eine Leopardin nahm den Jungen auf und kümmerte sich drei Jahre lang um ihn, bis sie ein Jäger erlegte. Der Junge wurde zurück in sein indisches Heimatdorf gebracht und biss zunächst jeden, der sich ihm nähern wollte. Später lernte er, aufrecht zu gehen."


Solche und ähnliche Ideen findet man selten, aber manchmal sind sie doch da. Und sie verdienen es, gesammelt zu werden, um vielleicht etwas damit anzustellen.


4. Lasse dich von Bildern fremder Orte inspirieren 

Manchmal seht ihr ein Foto eines Ortes und fühlt euch sofort dazu inspiriert, etwas dazu zu schreiben, oder? Kommt schon, ich weiß, dass es so ist!
Seiten, die ihr dafür nutzen könnt, gibt es im Netz ja zuhauf. Sei es auf Pinterest, oder auf den Seiten, die auch das Workbook vorschlägt:

Sucht euch einen Ort aus und fangt an, zu überlegen: Was für ein ort ist das? Wer lebt dort oder kommt dort auf seinen Reisen entlang? Wie fühlen diese Leute sich, wenn sie diesen Ort passieren? Welche Hindernisse stellen sich ihnen in den Weg?

Für Indian Gods 3 schwebt mir ja an einer Stelle eine versunkene Stadt im Dschungel vor, die von Nagas bewohnt wird. Mal sehen, ob das so passt und ich das eingebaut bekomme ...


So, das war ein langer Post und ich lasse euch jetzt zufrieden, damit ihr euch eure eigenen Gedanken zu eurem Projekt machen könnt. Und natürlich gehe ich jetzt erstmal meine eigenen Ideen in einem neuen Projekt ablegen und spiele ein bisschen damit herum ...

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